Verpennt, verschlafen, aus. Digitalisierung adieu, hallo Amerika und China! Eine Abrechnung mit Digitalisierungsgegnern (Teil 1)

Bei der Digitalisierung ist es ist ein bisschen wie mit dem uneinsichtigen Raucher, der „mich trifft’s eh nicht“ entgegnet, wenn das Thema zur Sprache kommt. In der Hoffnung, die digitale Transformation bis zum neuen Job in einer anderen Branche oder zum Renteneintritt aussitzen zu können, klammern sich viele Führungskräfte und Arbeitnehmer an den Status Quo. Wenn Sie gerade „meine Güte, schon wieder ein Text zur Digitalisierung“ sagen und augenrollend vor diesen Zeilen sitzen, gehören Sie vielleicht dazu.

Für mich ist es an der Zeit mit den ewig Gestrigen abzurechnen und Klartext zu reden. Denn ich habe keine Lust mehr über Phrasen zu diskutieren, die da lauten:

 

„Es geht doch um die Aufträge, nicht um Digitalisierung“

„Es geht um den Menschen! Ihr immer mit eurem neumodischen Zeugs“

„Wenn Digitalisierung, dann muss man auch alle mit ins Boot nehmen, das dauert“

„Das wird so nicht klappen“

„‘s Menschliche geht dann doch verloren“

„Sie können das nicht allen vermitteln“

„Ich muss das Papier in der Hand halten“

„Das kostet uns ein Vermögen“

„Nur noch ein paar Jahre, dann ist mir egal was die machen“

„Wir waren die letzten Jahre erfolgreich, was soll der digitale Schnickschnack daran ändern?“

 

und was meist an erster Stelle steht

 

„Muss man denn alles mitmachen?“

 

Nein, wir müssen nicht alles mitmachen was neu und „hip“ ist. Wir müssen da mitmachen, wo wir in Europa einen Wettbewerbsvorteil haben oder generieren können. Wir müssen da mitmachen und vorangehen, wo unsere Stärken liegen: Denken, Erfinden, Ideen generieren und umsetzen.

 

Drei unbequeme Positionen zum Nachdenken

 

  1. Verändern oder verändert werden! Europa und Deutschland ruhen sich auf dem Stand der Vergangenheit aus. Technische Neuerungen waren durch Unternehmen wie Siemens, Bosch und die drei großen Autobauer in den letzten 100 Jahren geprägt. Es waren auch jene, die Innovationen voranbrachten und Exportschlager wurden. Heute sind es Unternehmen aus den USA (Google, Tesla, Amazon) und aus Asien (Samsung, Alibaba), die die Weltspitze anführen und exponentiell wachsen. Große Industrieunternehmen in Deutschland (u.a. Krauss Maffei, Kiekert, Manz AG) wurden in Teilen zwischenzeitlich an chinesische Unternehmen verkauft, Tendenz steigend. Traditionsreiche Mittelstandsunternehmen, die zum Weiterbestehen Investoren aus dem Ausland benötigen, weil sie bereits einiges versäumt haben. Mitarbeitervertretungen und eine DSGVO werden nicht verhindern, dass plötzlich alles digital ist, was wir heute anders kennen. Nicht weil wir es NICHT wollen, sondern unsere neuen Arbeitgeber aus Übersee es verlangen.Verändert werden, ein paar Beispiele: auch wenn es vor einigen Jahren noch üblich war, Rechnungen per Post zu versenden, so kommen diese heute längst als PDF per E-Mail. Mit der entsprechenden Software werden diese dann sogar automatisch eingebucht und eine Auswertung erstellt, ganz ohne Buchhalter. Manche Unternehmen aber wehren sich so vehement dagegen und drucken die PDF-Datei einfach aus. Diese Rechnung geht anschließend dreimal durch das Unternehmen, bis sie mit drei Unterschriften letztlich wieder in der Buchhaltung landet, wo sie, ACHTUNG, gescannt und archiviert wird. Unsinn hoch drei! 
  1. Ängste ohne Grenzen. Ich habe Verständnis dafür, dass weniger technikaffine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Sorge haben, sie könnten den Anschluss verpassen. Ja ehrlich – neues zu lernen ist anstrengend. „Meine Ausbildung war 1989 zu Ende, ich habe ausgelernt“. Obwohl es zahlreiche Fortbildungsangebote gibt, haben viele Ängste, sie könnten etwas falsch machen oder nicht verstehen. Schade, denn nur so ergeben sich Neuerungen, indem man Neues zulässt, sich damit auseinandersetzt und dazulernt. Das bedeutet nicht automatisch, dass das Vorhergehende schlecht war, es wurde nur durch etwas Besseres ersetzt. E-Mail ersetzt Fax, DSL ersetzt Modem, Ausdrucke werden durch PDF’s auf Tablets ersetzt. Übrigens: Auch E-Mail veraltet langsam aber sicher. Heute nutzen viele Unternehmen stattdessen Kollaborationstools und Kommunikationssoftware. Zumindest interne Mails a lá „Kannst du mal schauen, ob das so passt“ und „Ja, ich ändere noch schnell was ab“ gehören bald der Vergangenheit an. Auch für Abrechnungen oder Budgetpläne Excel zu verwenden ist Oldschool. Ausgefeilte Softwareprodukte mit automatisierten Prozessen für Abrechnungen und Statistiken ersetzen seitenweise Excellisten. Es gibt unzählige weitere Beispiele.
  1. Eure Chefs sind genauso planlos! Eine harte Wahrheit, aber eben wahr. Eine Untersuchung der Goethe Universität Frankfurt aus dem Jahr 2016 hat ergeben, dass für 50% der befragten Führungskräfte Digitalisierung bzw. Digital Leadership kein Thema ist. Innovationen und Initialzündungen kommen grundsätzlich aus dem Management. Ein Satz wie „ah ja spannende Technologie“ und danach trotzdem Business as usual führt ins Leere und dazu, dass ein Unternehmen früher als später das Nachsehen hat. Endstation Investitionen aus Übersee!

Ich habe keine Lust mehr, um diplomatische Antworten zu ringen, weil eine Sachbearbeiterin sagt „Früher haben wir auch ohne diese Programme gut gearbeitet“ und ich habe keine Lust mehr so zu tun, als würden wir in Europa so ohne Weiteres die kommenden Jahre problemlos ohne den „Schmarrn“ auskommen. Europa und Deutschland werden das Nachsehen haben, wenn nicht endlich auch Führungskräfte erkennen, dass wir den globalen Anschluss verpassen. Während die Länder um uns herum bereits an Zulassungen für automatisierte Lufttaxis arbeiten, bewegen wir uns dank einer DSGVO wieder Richtung Klopfsignale und Rauchzeichen.

Hier geht’s weiter zu Teil II

One Reply to “Verpennt, verschlafen, aus. Digitalisierung adieu, hallo Amerika und China! Eine Abrechnung mit Digitalisierungsgegnern (Teil 1)”

  1. Wer sind unsere Erzieher?
    Eine Abrechnung mit zwei populären Irrtümern

    1 Was der Bildschirm zeigt, oder die Zeitung bringt, ist wahrheitsgemäß:
    Es ist eine grundsätzliche Unterscheidung der Begrifflichkeiten Wahrheit und Wirklichkeit zu beachten
    Tatsächlich zeigen die Medien eine Wirklichkeit, nämlich durch die Wirkung ihrer tendenziösen Sortierung der Relevanz von Nachrichten, durch Fokussierung und Ausblendung von Ereignissen, durch Wertung und Kommentierung des Weltgeschehens. Ihre Berichterstattung vermittelt uns aber keine Wahrheit, sondern eine vorgefertigte Weltanschauung, die wir unbewußt in unsere Vorstellung, von dem, was in der Welt angeblich ‚der Fall’ ist, übernehmen. Ob Zeitung oder Bildschirm, sie können doch nur stets lügen, trotz aller Beteuerungen; schon weil sie ausschnitthaft und selektiv arbeiten müssen. Ist aber schon das was sie „bringen“ eine Verzerrung der Realität, liegt die Lüge umso mehr in der Tatsache dessen, was sie nicht „bringen“. Medienagenturen sind in größeren Konzernarchitekturen eingegliedert, und erhalten die Weisung ihrer Tendenz aus den Strukturen der Macht. Von der Möglichkeit unabhängiger Berichterstattung in den Leitmedien kann solange nicht ausgegangen werden, solange die Verflechtung der Interessen der finanziellen Träger und der politischen Einflußnahme nicht thematisiert werden. Es ist Illusion, sich aus verschiedenen Zeitschriften heraus ein vermeintlich objektives Bild machen zu können, solange diese auf denselben Korrespondenten zugreifen, oder den gleichen Regierungssprecher verlautbaren, und sie gebündelt sind in Media-Holdings, wie Bertelsmann, Funcke, u.a.. Die Medien liefern über Zeitschriften und Bildschirme die Kulisse für die Bühne der Inszenierung unseres Lebens. Die Intendanz dieses Stückes hat jedoch einen anderen Plan, als den der individuellen Selbstvergewisserung. ‚Finde Deinen Style’, ‚Enjoy yourself’, so lauten die launigen aber zynischen Programmhinweise, die den erzieherischen Aspekt der medialen Berieselung verschleiern. Im Eigentlichen findet eine ästhetische Prägung unserer Wahrnehmung auf die Farbskalen und Geschmacksrichtungen der Konsumwelt von Kindesbeinen an statt. Der Mensch soll dazu gebracht werden, sich rastlos im Bemühen zu verzehren, sich selbst zu dem effizienten Nutztier zu optimieren, das sich in die globalen Kreisläufe der Verwertungs-Ökonomie einfügt.

    2 Telekommunikation verbindet die Menschen:
    Tatsächlich finden Menschen immer weniger einen unmittelbar persönlichen Weg zueinander. Längst haben sich auf dem Wege der Kommunikation von Mensch zu Mensch, mächtige Konzerninteressen geschoben. Bekanntschaften und Partnerschaften kommen zunehmend auf ‚synthetischem’ Wege zustande, weil sowohl das unmittelbare Sprachgefühl als auch die Körperwahrnehmung zunehmend verkümmert. Die Erfordernis der dauernden Erreichbarkeit trifft auf den Umstand der mobilen Divergenz der Partner der Kommunikation, hinsichtlich von Zeit- und Örtlichkeit ihrer Lebensbereiche. Unsere Lebensräume kennen kaum noch gemeinsame Verbindlichkeiten und dauerhafte Beständigkeit, auf deren Basis sich ein mitmenschliches Vertrauen entwickeln könnte. Selbst im nächsten Familienverband ist die alltägliche Kommunikation ohne das Hinterlassen von Botschaften auf Mailboxen und Mailkonten im Grade einer globalen Vernetzung, wegen des Auseinanderlaufens der Lebensrhythmen kaum mehr möglich. Zur Abstimmung unserer komplexen Lebenswirklichkeit sind wir nunmehr auf smarte Technologie verwiesen, die uns einbettet in die virtuelle Illusion von Planbarkeit und Berechenbarkeit. Längst rückt die Technologie, z.B. über Smartphone, in den intimsten Bereich der Selbstbestimmung vor, und bedient das Bedürfnis der sozialen Betreuung und Kontrolle, die auf dem persönlichen Wege nicht mehr realisiert werden kann. Der Unterhalt von Freundschaft, die Anbahnung von Partnerschaft, der Unterhalt von familiärer Bindung, ist ohne die Teilnahme an einer umfassenden Vernetzung eigentlich nicht mehr möglich. Durch die Verlagerung sämtlicher Lebensbezüge und –Daten in den virtuellen Raum verleihen wir einer digitalen Intelligenz die umfassende Verfügungsgewalt über unseren biographischen Hintergrund – aber der Zugriff und die Verknüpfung von persönlichen Daten ist auch das Ziel einer globalen Herrschafts-Elite, für die wir als Produzenten und Konsumenten, als Kunden, Patienten und selbst als Delinquenten quasi als ‚Nutztiere’ in einer Matrix der Unterhaltung gehalten werden sollen.
    Aus den smarten Beratern in der Westentasche, die uns in der Geoposition lokalisieren helfen, Einkaufsempfehlungen aussprechen, vor Gesundheitsrisiken warnen, sind nunmehr Autoritäten für ein vermeintlich ‚richtiges’ Leben geworden. Sie überwachen unsere Körperdaten, messen die Leistungsfähigkeit, und gestalten unseren Kalender effizient. Für viele Menschen ist die Smart-Technologie bereits Arbeitsplatz und Partnerersatz. Aber es kann kein richtiges Leben geben im falschen.
    Die Situation des Menschen bei der Bedienung der sich beschleunigenden der technologischen Entwicklung seiner Übervorteilung, entspricht der Situation eines Hamsters im Rade. Je schneller es sich dreht, desto schneller treibt er es an. Seine Illusion der Freiwilligkeit entlastet ihn aber nicht aus dem Vorwurf der selbstverschuldeten Unmündigkeit. Die digitale Demenz wird jedoch dafür sorgen, daß Zukünftige den kulturellen Verlust nicht mehr empfinden werden. „..Die letzten Menschen werden (über ihren Displays) blinzeln, und glauben, sie hätten das Glück erfunden..“

    https://www.franz-sternbald.com/

    Buchempfehlung: „Das pyramidale Prinzip 2.0“
    https://www.franz-sternbald.com/
    Wir sind die Basis einer Pyramide!
    Wir sorgen als Produzenten, Konsumenten, als Kunden und Patienten, als Klienten und als potentielle Delinquenten, für den sich beschleunigenden Strom der Waren, Finanzen und Daten, im Stoffwechsel eines ‚pyramidalen‘ Organismus. Nachdem wir das Ertragsnutzenkalkül eines besinnungslosen Fortschritts im Wachstum verinnerlicht haben, empfinden wir den Raub der Selbstbestimmung und Identität nicht mehr als Verlust. Auf die atomare Einheit der Existenz reduziert, reihen wir uns ein, in die weltweiten Ströme der dynamischen Massen. Dabei steht die Isolation im Nahfeld der Beziehungen, in einem krassen Gegensatz zur Identifikation mit einem globalen Bewußtsein. Über die Instrumentalisierung religiöser Bedürfnisse, werden die Menschen zur Opferung der eigenen Identität gerufen, und zum Dienst für einen allumfassenden Welt-Ethos vorbereitet
    Wer sich nicht von Verschwörungstheorien verwirren lassen will, dem hebt sich mit dem Buch: „Das pyramidale Prinzip 2.0“ von Franz Sternbald, der Schleier, und gewährt dem Leser einen unverstellten Blick auf das Wesen des Willens zur Macht! Gleichzeitig ist es ein leidenschaftliches Plädoyer für einen aufgeklärten Glauben, der sich, nach Kierkegaard, auch dem fundamentalen Zweifel stellen muß, sowie die Rettung der Würde des Individuums, gegen die kollektive Vereinnahmung, und seiner Zurichtung für die Zwecke eines globalen Marktes. Hier wird der Versuch unternommen, das Bewußtsein von einem Erlösungsbedürfnis aus der ‚Selbstentzweiung’ des Willens in der Natur zu erklären, und die Selbstentfremdung des Menschen aus seiner ‚Seinsvergessenheit’. Dem überzeugten Christen verschafft die Beschäftigung mit der Analyse des Willens zur Macht von Schopenhauer, über Nietzsche bis Heidegger, ein freieres Auge. Deren Aktualität steht nicht im Widerspruch zu einer christlichen Deutung der Weltgeschichte, sondern liefert vielmehr deren Bestätigung. L.G. Sternbald

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