Energiepiraten: Typus Nörgler

Sie finden bei allen Themen etwas Kritisches, wälzen Arbeit auf Kollegen ab, nörgeln ununterbrochen, stören die Arbeit der anderen oder haben selten ein positives Wort für das Verhalten ihrer Kollegen: Energiepiraten. Sie schaffen es ganze Meetings zu sprengen, weil irgend etwas nicht in ihrem Sinne verläuft. Keine ausreichende Wertschätzung der eigenen Arbeit, etwas läuft nicht nach Vorschrift oder der Chef hat wieder sonderbare Entscheidungen getroffen. Mit anderen Worten: Mit ihrem Verhalten rauben diese Kollegen oder Vorgesetzten allen Beteiligten die Arbeitsenergie.
Energiepiraten können in vielen Typen vertreten sein. Die neue Serie Energiepiraten beginnt mit dem Typus „Nörgler“. Mit diesen Rollen verfolge ich nicht etwa einen wissenschaftlichen Anspruch, auch wenn sich vereinzelt Parallelen zu den neun Teamrollen nach Meredith Belbin (1981) in extremen Ausprägungen ziehen lassen. Vielmehr dokumentiere ich (namenlos versteht sich) Erfahrungen aus dem Alltag. Diese speisen sich aus eigenen Beobachtungen, aus Gesprächen mit anderen Teamleitern und Führungskräften sowie Gesprächen mit Mitarbeitenden anderer Unternehmen und Organisationen.

Typus: Nörgler

Ein besonders schwieriger Typus ist der Nörgler. Deswegen hat er es in den ersten Artikel der Serie geschafft. Schwierig deshalb, weil er mit vielen Themen und Anliegen im Alltag häufig Recht hat und auf Dinge hinweist, die Vorgesetzte und Kollegen nicht bedacht haben. Seine Themen sind also nicht per sé grundsätzlich falsch. Es ist mehr die Art und Weise, wie er/sie darauf hinweist. Deutlich erkennbar am erhobenem Zeigefinger und den immer wiederkehrenden  Entdeckungen zahlreicher Haare in der organisationalen Suppe.

Es ist keine besondere Kunst den Nörgler zu identifizieren, denn er fällt per Definition auf. Duden online beschreibt in zwei Bedeutungen den Begriff „nörgeln“

  1. mit nichts zufrieden sein und daher (ständig) mürrisch und kleinlich Kritik üben
  2. an jemandem oder etwas griesgrämig und kleinlich Kritik üben

Damit ist sein Vorgehen zunächst allgemein beschrieben. Was aber kennzeichnet nun einen Nörgler im (beruflichen) Alltag?

Hinweise und Merkmale

  • Ein bekannter Hinweis ist, dass Nörgler oftmals glauben, irgend jemand wolle ihnen persönlich schaden. Jeder Regelverstoß, ein persönlicher Angriff.
  • Ihre Reaktion auf diesen Glauben ist die Strategie „Angriff/Vorwegnahme ist die beste Verteidigung“. Betriebliche Mängel und rechtliche Alltagsproblemchen bekommen damit eine ganz andere, meist zu hohe Bedeutung, in die mehrere Akteure involviert sind.
  • Das eigene Verhalten wird nicht erkannt oder reflektiert. Denn der Fehler ist aus Nörglersicht nunmal schwarz auf weiß vorhanden und dokumentiert.
  • Deswegen hat er/sie auch Recht! Egal was Vorgesetzte oder Kollegen sagen, die Fakten sprechen für ihn. Das stimmt auch in vielen Fällen. Letztlich sind es aber die Vorgesetzten, die diese Themen überprüfen und behandeln müssen. Ein Beispiel: Sie gehen nachts um 3 Uhr bei rot über die Ampel, weil weit und breit kein Verkehr ist. Ein Nörgler bleibt an der Ampel stehen und pöbelt Ihnen hinterher „das ist rechtswidrig“ obwohl kein Schaden entsteht. Wird der Übeltäter vom Nörgler bei der Polizei gemeldet, was würde die Polizei wohl unternehmen? Vermutlich wird in den seltensten Fällen ein Streifenwagen geschickt. Genau hier findet sich die Ohnmacht eines Nörglers, was ihn/sie langfristig passiv aggressiv werden lässt.
  • Das Modalverb „MÜSSEN“ kommt sehr häufig als Passivformulierung im Wortschatz vor. „Es muss noch xyz erledigt werden“, „Sicherheit muss man ernst nehmen“, „Müssen Sie alles verkehrt machen“, „Es muss darauf verwiesen werden“, „Kollegen müssen“, „Vorgesetzte müssen“,  . . .
  • Deutlich problematisch ist die Emotionalität, die durch Nörgler in Teams gebracht wird. Sie nerven mit ihren Hinweisen, Andeutungen und ihrem unterschwellig agressiven Verhalten und schaffen es binnen weniger Minuten hitzige Diskussionen zu entfachen, die wie ein Virus ein ganzes Team verseuchen können.

    Blog Benjamin Rahn

Umgang mit Nörglern

  • Die Themen ernst nehmen. So schwer es auch fällt: Nörgler haben durchaus etwas Positives. Denn sie weisen auf Probleme oder Regelungsbedarfe hin, die Vorgesetzte und Kollegen sonst nicht im Blick haben. Außerdem ist es durchaus positiv, wenn sich jemand für sein Arbeitsumfeld detailliert interessiert.
  • Erfragen Sie die konkrete Problemstellung: Stellen Sie dem Nörgler die wichtigste Frage überhaupt: „Wo entsteht bei dem Thema tatsächlich ein Problem (für die Organisation, für die Sache, für das Team)?“ „Was ist die Konsequenz daraus?“, „Haben Sie eigene Lösungsansätze?“ wären daran anschließende Fragen.
  • Zum Reflektieren anregen: Die Frage nach der Problemstellung kann ein Nörgler durchaus auch als Angriff verstehen, deswegen ist es klug, sich den Vorgang insgesamt noch einmal schildern zu lassen.
  • Grenzen aufzeigen: Wohl der schwierigste Punkt, denn Nörgler werden eine unbewusste Bestätigung ihrer Annahme haben, nicht gehört zu werden und es als persönlichen Angriff deuten. Klären Sie deshalb noch einmal klar Zuständigkeiten und die Verantwortung der Führungskräfte. Denn…
  • …die Vorgesetzten sind in der Verantwortung betriebliche Vorschriften und rechtliche Gegebenheiten durchzusetzen, nicht ein Kollege aus der Belegschaft. Dieser Sachverhalt sollte allen Mitarbeitenden, auch einem Nörgler, klar sein. Es ist nicht seine/ihre Aufgabe, seine Kollegen zu maßregeln, zu kontrollieren oder auf die Einhaltung von Vorschriften zu pochen.

Fazit

Nörgelnde Energiepiraten haben auch positive Seiten, weil sie auf offene Themen und wunde Punkte in Organisationen hinweisen. Bei konkreten Problemstellungen kann ein nörgelnder Mitarbeiter durchaus hilfreich sein. Überreizt er/sie den Rahmen eines freundlichen Hinweises und diese arten in Penetranz und Mobbing aus, kann nur die direkte Führungskraft dem Einhalt gebieten. Der Charakter des Nörglers neigt jedoch dazu, sich dann an die nächst höhere Instanz zu wenden, was das Merkmal des „klaren Rechts auf seiner Seite“ bestätigt und damit weitere Kreise zieht. Fühlt sich jemand dann auch dort unverstanden oder wird gar ignoriert, drohen entweder Rückzug und Frust oder eine Verstärkung im Sinne von „wie konnten die bloß Führungskräfte werden, wissen echt nix“.

Letztlich ist es Aufgabe eben dieser Führungskräfte einen Nörgler zu erkennen und einzufangen. Denn neben der schlechten Stimmung, die sich in einem Team verbreitet, verbringen diese Energiepiraten auch viel Arbeitszeit damit, das Haar in der Suppe zu suchen oder gar selbst immer wieder neue Regelungen zu schaffen (Abteilungs- oder Bereichsleiter) und deren Einhaltung zu überprüfen.

One Reply to “Energiepiraten: Typus Nörgler”

  1. Ha ha haaaa! Ich habe mich kaputt und aggro gelacht! Das lasse ich nächste Woche einen Kollegen lesen und wette 100 Euro er findet sich darin wieder.
    Was kommen noch für Piraten? Ich könnte welche beisteuern. Wir haben genug verrückte!

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