Energiepiraten: Typus Lamento

Das Schöne an einem persönlichen Blog ist doch, dass man schreiben kann, wenn man schreiben möchte. In diesem Jahr war bei mir bisher besonders nebenberuflich viel los, weshalb ich meine online Schreibaktivitäten bislang auf ein Minimum reduziert habe.

Dafür ist es jetzt im August etwas ruhiger, so dass ich die Serie der Energiepiraten heute mit dem Typus „Lamento (Spanisch für Jammern)“ fortsetzen möchte.

Hinweise und Merkmale

  • Der Name ist Programm: Jammern in allen Arbeits- und Lebenssituationen. Zuviel Arbeit, zuviel Stress, zu wenig Geld, unfähige Kollegen, falscher Arbeitsansatz, unfähige Führung und zwar egal in welchem Sinne Kollegen oder Vorgesetzte agieren. Fällt eine Entscheidung, um einen Missstand zu beheben, der eine Woche zuvor noch angeprangert wurde, kommt die Entscheidung entweder „zu spät“ oder ist ganz plötzlich „unsinnig“.
  • Zentrale Überzeugung: „Das Leben wirft Dir nichts in den Klingelbeutel!“
  • Nicht zwingend Low-Performer, jedoch stets die eignen Leistungen überbordend bewerbend, die in keinem Verhältnis zum Output stehen.
  • Worte wie „ungerecht“, „unfair“ oder „unsozial“ fallen überdurchschnittlich oft.
  • Ansteckungsgefahr: Natürlich versucht ein Lamento-Kollege/-Kollegin andere von der Misere zu überzeugen. Jammern wird dann zu einem Virus, der schwer einzufangen ist.
  • Positive oder konstruktive Lösungsansätze werden mit Killerphrasen entkräftet („hat eh noch nie geklappt, warum jetzt“).

Umgang mit Lamentos

Zunächst einmal erlebt ein Mensch der regelmäßig vor sich hin lamentiert die Situationen ja so, wie er/sie diese beschreibt. Seine/Ihre sich stets wiederholenden Tiraden aus Ungerechtigkeiten sollen bestätigt werden und dieser Typus sucht geradezu danach. Diese Überzeugungen einfach zu zerschlagen ist kaum möglich, deshalb ist der Umgang mit ihnen eine Herausforderung. Trotzdem habe ich ein paar Vorschläge, wie es gelingen kann:

  • Fakten erfragen: „Woran machen Sie eine unsoziale Haltung fest?“ „Woher kommt Ihre Annahme, dass es allgemein ungerecht in der Organisation zugeht?“
  • Lösungen erfragen: Mitarbeitende, die sich ernsthaft mit Missständen in der Organisation auseinandersetzen haben oftmals auch sehr gute Lösungsansätze, die manchmal nicht gehört werden. Chronische Jammerer dagegen werden darauf verweisen, es sei Aufgabe der Führungsetage, Lösungen anzubieten. Leider finden sie viel öfter Gehör, weil sie sich häufig lautstark und immer wieder äußern – auf diese Weise fordern Lamentos (unbewusst) Beachtung ein.
  • Grenzen aufzeigen: Menschen sind unterschiedlich in ihrer Wahrnehmung. Was die einen als positiv sehen, sehen andere negativ. Wenn es sich jedoch anbahnt, dass ein chronischer Jammerer versucht andere mit herunterzuziehen, dann ist die Führungsseite gefragt dem Einhalt zu gebieten und klar zu formulieren, dass dieses Verhalten den Betriebsfrieden stört.
  • Personalentwicklung: Vielleicht ist jemand schon sehr lange im Beruf und hat „Frustrationspunkte“ gesammelt, die sich auf diese Weise äußern. Eine Fortbildung für Strategien zur Psychohygiene oder Stärkung der Resilienz im Beruf könnten hier ein wirksames Instrument sein. Oder aber jemand möchte sich beruflich weiterentwickeln und sich weiter qualifizieren.

Fazit

So schwer es einem auch fällt, letztlich gilt auch beim Lamento ihn oder sie ernst zu nehmen. Vielleicht gibt es wirklich Anzeichen von (in der Person begründete oder durch Personalmangel ausgelöste) Überlastung! Dann besteht Handlungsbedarf für die Führungskräfte. Wichtig ist eine rechtzeitige Intervention, auch zum Schutze des Jammernden selbst, weil seine/ihre Aussagen nicht mehr gehört werden oder auf der anderen Seite die Teamarbeit erschwert wird.

Sie kennen diesen Typus? Schreiben Sie mir gerne oder hinterlassen Sie einen Kommentar.

_____________________________________________________________________________

Die neue Serie Energiepiraten:

Sie finden bei allen Themen etwas Kritisches, wälzen Arbeit auf Kollegen ab, nörgeln ununterbrochen, stören die Arbeit der anderen oder haben selten ein positives Wort für das Verhalten ihrer Kollegen: Energiepiraten. Sie schaffen es ganze Meetings zu sprengen, weil irgend etwas nicht in ihrem Sinne verläuft. Keine ausreichende Wertschätzung der eigenen Arbeit, etwas läuft nicht nach Vorschrift oder der Chef hat wieder sonderbare Entscheidungen getroffen. Mit anderen Worten: Mit ihrem Verhalten rauben diese Kollegen oder Vorgesetzten allen Beteiligten die Arbeitsenergie. Energiepiraten können in vielen Typen vertreten sein, die hier nach und nach zu finden sein werden. Mit diesen Rollen verfolge ich nicht etwa einen wissenschaftlichen Anspruch, auch wenn sich vereinzelt Parallelen zu den neun Teamrollen nach Meredith Belbin (1981) in extremen Ausprägungen ziehen lassen. Vielmehr dokumentiere ich (namenlos versteht sich) Erfahrungen aus dem Alltag. Diese speisen sich aus eigenen Beobachtungen, aus Gesprächen mit anderen Teamleitern und Führungskräften sowie Gesprächen mit Mitarbeitenden anderer Unternehmen und Organisationen.

One Reply to “Energiepiraten: Typus Lamento”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.