Sozial Digital: Vier Aspekte, die den sozial-digitalen Wandel beeinflussen

Das Thema „Digitale Transformation“ treibt mich seit langem um. Nicht nur aus einer persönlichen Affinität zu neuen Technologien und Social Media, sondern weil ich den Eindruck habe, soziale Organisationen schotten sich davon ab. Bei allen Aspekten, die mit der Digitalisierung im Hinblick auf produzierende Unternehmen zusammenhängen sind aus meiner Sicht in Sozialen Organisationen und bei kleineren Trägern vier wichtige Aspekte zu betrachten.

I. Finanzen

Eine soziale Organisation z.B. der Eingliederungshilfe ist in aller Regel nicht gewinnorientiert. Das bedeutet zugleich, dass Rückstellungen für besondere Anschaffungen nicht gebildet werden können und für zusätzliche Ausstattungen, wie Server und Dokumentenmanagementsysteme, schlicht keine finanziellen Mittel vorhanden sind und die Organisation auf Drittmittel angewiesen ist.

Dafür stellt die EU u.a. mit den Programmen Horizon 2020 und COSME Fördermittel für KMU und die Sozialwirtschaft zur Verfügung. Speziell für den Sozialbereich lassen sich Drittmittel über die Aktion Mensch akquirieren, die auch die Digitalisierung betreffen.

II. Personal

Die Einführung von Dokumentenmanagement und digitalem Arbeiten erfordert einen strukturierten und mehrstufigen Veränderungsprozess. Alle Mitarbeitenden, die in Zukunft digital und papierlos arbeiten sollen, müssen durch Schulungen auf einen einheitlichen Wissensstand gebracht werden. Gleichzeitig sollten die bisherigen Prozesse auf den Prüfstand gestellt und angepasst werden.

Alle Mitarbeitenden innerhalb der Organisation müssen die Möglichkeit haben, aktiv an der Veränderung mitzuwirken und ihre Gedanken einzubringen. Das erfordert ein Höchstmaß an Kompetenz der projektleitenden Person, ebenso den Willen jedes Einzelnen Mitarbeiters, sich auf die neuen Themen einzulassen.

III. Zielgruppe

Auch die Zielgruppe sozialer Arbeit muss im digitalen Wandel mitgedacht werden. Soziale Arbeit hat einen Bildungsauftrag für Klienten und benachteiligte Zielgruppen. Eine Organisation steht in der Verantwortung, Betroffenen Menschen Partizipation an neuen Technologien zu ermöglichen und diese auch näher zu bringen. Nur so können soziale Unterschiede und ein „Digital Divide“ (Zillien 2009) abgefedert werden. Insbesondere behördliche Angelegenheiten werden in den nächsten Jahren immer mehr digitalisiert ablaufen. Alleine deshalb müssen sowohl die Helfenden als auch die Zielgruppe ausreichend im Umgang mit den Medien und den Inhalten geschult sein.

IV. Führung

Den vierten Aspekt sehe ich bei den Führungskräften. Die Initialzündung zu einer Konzeption für die Digitalisierung in der Organisation muss in einem ersten Schritt von der obersten Führung kommen. Es ist eine strategische Aufgabe der Führung, Zukunftsthemen offen zu begegnen und die notwendigen Schritte dafür einzuleiten. Ein erster Schritt kann durch die Beratung Dritter erfolgen oder die Beauftragung eines Verantwortlichen, der eine Affinität zu diesem Thema hat und die Projektleitung übernimmt.

Ob Soziale Arbeit oder Wirtschaftsunternehmen: wie bei allen Neuerungen entstehen Ängste und Bedenken bei den beteiligten Mitarbeitern und in der Führungsetage. „Werde ich ersetzt, kann ich mir das Thema überhaupt noch aneignen oder macht gar eine Maschine in Zukunft meine Aufgabe“ sind berechtigte Einwände. Diesem Thema lässt sich durch eine strukturierte und transparente Herangehensweise begegnen, bei der sich jeder mit einbringen kann und den Prozess aktiv mitgestaltet.Obwohl der digitale Wandel bereits in vollem Gange ist und es bereits digitale Patien-/Klientenakten gibt, ist für viele soziale Einrichtungen die digitale Transformation noch kein Thema. Bei der Digitalisierung geht es um mehr als um Internetsurfen und Dokumente als PDF-Datei zu speichern. Tatsächlich können z.B. buchhalterische Prozesse derart automatisiert werden, dass Mitarbeiter den Vorgang allenfalls noch überwachen. Wo heute noch Belege von A nach B gebucht werden, übernimmt morgen eine Software diese Aufgabe. Es gibt bereits jetzt schon Systeme, die eine Rechnung und den zugehörigen Inhalt automatisch erkennen und sofort auf das richtige Konto buchen und danach rechtskonform archivieren, sobald sie als PDF-Datei im Posteingang auftaucht. Voll automatisch ohne menschliches Handeln.

Um einer sich anbahnenden Werte-Diskussion über „digital ODER sozial“ angemessen zu begegnen, eignen sich (falls nicht vorhanden) zentrale Unternehmenswerte, die in einem Leitbild festgeschrieben sind. Sie geben übergeordnet die Richtung vor und daran werden alle Digitalisierungsprozesse ausgerichtet. In Zeiten der Unsicherheit dienen gemeinsame Werte einer gemeinsamen Haltung in unsicherem Fahrwasser.

Vielleicht haben wir in wenigen Jahren schon humanoide Roboter, die uns im Haushalt helfen können und Arbeiten erledigen, die uns selbst lästig sind. Soziale Arbeit wird sich anpassen und verändern müssen, aber dabei immer eins bleiben: Arbeit von Mensch zu Mensch.

Schreibe einen Kommentar